Chronik


1896 - 1996
Hundert Jahre KSM

Von der kaufmännischen Fortbildungsschule zu einem modernen Berufsschulzentrum mit gestuften Bildungsgängen


1896

Gründung der Handelsschule durch den kaufmännischen Verein (Kaufmännische Fortbildungsschule für männliche Handlungsgehilfen und -lehrlinge).

Schulleiter:
1896 - 1904 Landwirtschaftslehrer Kuhnert
1904 - 1921 Hauptlehrer Fenner

1899

Alle in der Stadt Marburg in Stellung befindlichen Handlungslehrlinge und Handlungsgehilfen, welche das achtzehnte Lebensjahr noch nicht überschritten haben, sind verpflichtet, die kaufmännische Fortbildungsschule zu besuchen.

Drei Lehrkräfte unterrichten 50 Schüler (6 Wochenstunden).

1906

Einrichtung der Kaufmännischen Fortbildungsschule für weibliche Handlungsgehilfen und -lehrlinge durch die Stadt Marburg.

Schulleiterin: Fräulein Bach

§ 1 (Schulordnung)
 „Jede Schülerin ist zu einem sittlichen, anständigen Verhalten in und außerhalb der Schule, zu Fleiß und Gehorsam und zur Ehrerbietung gegen die Lehrer und Lehrerinnen der Anstalt verpflichtet.Lehrplan: 2 Std. Rechnen: (Die 4 Species in Ganzen und Dezimalen und in gewöhnlichen Brüchen. )
1 Std. Lesen: Mündliche und schriftliche Wiedergabe des Gelesenen, Behandlung des Inhalts und der grammatischen Form.
3 Std. schriftliche Übungen: Rechtschreibung und Grammatik, kaufm. Korrespondenz (Briefe, Postbeförderung, Bahnbeförderung). 
Fräulein Bach hat für die kaufmännische Schule allein 1 Klassenzimmer und 1 Zimmer, in welchem 14 Schreibmaschinen aufgestellt sind und 4 Schränke, das außerdem auch noch zur Kleiderablage dient. Es werden 44 wissenschaftliche Stunden gegeben. Der Sonnabend ist ganz frei. Für die Nachmittagsstunden werden noch 2 Klassenräume der katholischen Schule herangezogen. Fräulein Bach hat 3 Abteilungen Pflichtschülerinnen à 6 Stunden, 3 Abteilungen freiwillige Schülerinnen, eine zu 12 Stunden, eine zu 6 Stunden und eine zu 8 Stunden. Außerdem werden 4 Stunden Maschinenschreiben gegeben und gleichzeitig 4 Stunden Stenografie. Diese Stunden müssen gleichzeitig gegeben werden, indem die Hälfte der Schülerinnen Maschinenschreiben hat und die Hälfte der Schülerinnen Stenografie. An 3 Vormittagen und 3 Nachmittagen stehen die Schreibmaschinen für die freiwilligen Übungen zur Verfügung. ... Es sind z. Z. im ganzen 127 Schülerinnen da.“ 

1909

Zur Sicherung der Ordnung in der Fortbildungsschule ist der Schulleiter befugt, Karzerstrafen bis zu 6 Stunden während der schulfreien Zeit zu verhängen. Schüler, die diese Strafe nicht freiwillig antreten, können durch die Polizei vorgeführt werden.

1914

Für die Dauer des Kriegs wird der eigentliche Fortbildungsunterricht für die über 16 Jahre alten Schüler bis auf 2 Stunden wöchentlich beschränkt. An die Stelle der frei gewordenen Stunden werden lehrplanmäßig die Übungen zur militärischen Vorbereitung gesetzt.

1916

Bericht der Schulleitung über die sogenannte Sommerzeit: Die Schüler unserer Anstalt stehen im Alter von 14 bis 18 Jahren. Obwohl der Frühunterricht vom 1. Mai bis 30. August bereits um 6 Uhr beginnt, war der Schulbesuch durchaus regelmäßig, die Schüler waren vollständig ausgeschlafen und ließen keinerlei Müdigkeit erkennen; die Aufmerksamkeit war ebenso rege als sonst. Auch ist keinerlei nachteilige Einwirkung auf den Gesundheitszustand der Schüler bekannt geworden. Im Gegenteil dürfte den Jünglingen das Frühaufstehen gesundheitlich von Vorteil sein, zumal sie ja infolge des früheren Geschäftsschlusses auch früher zu Bett gehen können.“ 

1919

Der Fortbildungsschulunterricht darf lt. Verfügung des Demobilmachungsamts nicht auf die wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden angerechnet werden.

1922

Aus der Handelsschule (Kaufmännische Fortbildungsschule für männliche Handlungsgehilfen und -lehrlinge) des kfm. Vereins und der kaufmännischen Fortbildungsschule für weibliche Handlungsgehilfen und -lehrlinge (Stadt) werden die kaufmännische Berufsschule und die kaufmännische Berufsschule für Mädchen.

1929

Die kaufmännische Berufsschule (vormals Handelsschule des kfm. Vereins) und die kfm. Berufsschule für Mädchen werden zur STÄDTISCHEN KAUFMÄNNISCHEN BERUFSSCHULE zusammengefasst. Herr Hamel wird Direktorstellvertreter.

1931

Einrichtung der zweijährigen städtischen Handelsschule an der kfm. Berufsschule. Herr Hamel wird Leiter der Kaufmännischen Berufsschule. 60 Handelsschülerinnen wurden von 3 Lehrkräften unterrichtet.

Die Handelsschule kann das Zeugnis der mittleren Reife erteilen.

Die kaufmännische Berufsschule wird von 152 Schülern und 86 Schülerinnen besucht.

1933

Die Haushaltungs- und Gewerbeschule, die gewerbliche Berufsschule und die kaufmännische Berufs- und Handelsschule werden unter der Leitung von Direktor Hamel zur Städtischen Berufs- und Fachschulezusammengelegt.

Das Lehrerkollegium der kfm. Abteilung setzte sich neben dem Direktor aus 4 hauptamtlichen (Liebig, Arnold, Ohl und Mannesmann) und 3 nebenamtlichen (Fischer, Rohde, v. Dewitz) Lehrkräften zusammen.

Unterrichtet wurde an vier verschiedenen Standorten.

Es bestehen 3 reine Verkäuferinnen-Klassen (VU, VM, VO). Männliche Verkaufslehrlinge, Büro-, Großhandels-, Bank- und Rechtsanwaltslehrlinge werden gemeinsam in 6 Klassen unterrichtet. Reine Fachklassen sind die Drogistenunterstufe und die Drogistenoberstufe.

Der Unterricht in den Berufsschulklassen umfasst 6 Wochenstunden, die sich auf 2 Wochentage verteilten.

Im Jahr 1933 besuchen insgesamt 231 Schülerinnen und Schüler die Berufsschule und 63 Schülerinnen und Schüler die zweijährige Handelsschule.

1942

Handelsoberlehrer Mannesmann wird Direktorstellvertreter und leitet die kaufmännische Berufsschule und die Handelsschule.

1943

Der Unterricht an der Dr. Müllerschen privaten kfm. Handelsschule wird eingestellt. Die Schülerinnen werden von der städtischen Handelsschule übernommen.

1945

Schulen werden bis zum Oktober geschlossen.

Das Inventar, Klassenbücher, Karteien und Lehrmittel werden teilweise zerstört, die Schreibmaschinen entwendet.

Herr Rieke wird neuer Direktor der städtischen gewerblichen und kaufmännischen Berufs- und Berufsfachschulen.

Herr Mannesmann betreut die kaufmännische Abteilung.

1946

Anstieg der Schülerzahlen.

Es werden Fachklassen für Banklehrlinge, Büroanlernlinge, Rechtsanwaltslehrlinge, zahnärztliche Helferinnen und Lehrlinge der steuerberatenden Berufe eingerichtet.

1955

Die kaufmännische Abteilung wird selbstständig. Herr Dipl.-Hdl. Mannesmann wird Direktor der Kaufmännischen Berufs- und Berufsfachschulen der Stadt Marburg a. L.am Ortenberg (1009 Teilzeitschüler, 136 Handelsschüler, 37 Klassen).

1957

Errichtung der Höheren Handelsschule.

1966

Der Erweiterungsbau am Ortenberg wird in Betrieb genommen.

1968

Herr Oberstudiendirektor Dipl.-Hdl. Mangold wird Schulleiter.

1972

Einrichtung der Fachoberschule - Fachrichtung Wirtschaft -“  nachdem seit dem Schuljahr 1969/70 bereits Schüler dieser Fachrichtung an der Adolf-Reichwein-Schule mitbeschult wurden.

1973

Einrichtung der Berufsaufbauschule - wirtschaftlich-verwaltende Fachrichtung - in Vollzeitform.

Einrichtung einer Fachklasse für Arzthelferinnen.

Mit Beginn des Schuljahres 1973/74 wurde der Unterricht in dem zweiklassigen Pavillon in der Heinrich-Heine-Straße aufgenommen.

1974

Einrichtung des  „Modellversuchs“ für gestufte Bildungsgänge im Berufsfeld 06 - Wirtschaftsgymnasium und Fachoberschule - bis 1978.

1975

Umbenennung der Städtischen Kaufmännischen Berufs- und Berufsfachschule in Kaufmännische Schulen der Universitätsstadt Marburg.

Anschaffung des ersten Schulcomputers (OLIVETTI P 603).

1977

Einrichtung des Berufsgrundbildungsjahrs.

1978

Einrichtung des Beruflichen Gymnasiums.

Auf dem Hof des alten Schulkomplexes in der Georg-Voigt-Straße wird ein vierklassiger Pavillon zur Linderung der Raumnot in Betrieb genommen.

Einmaliger Versuch mit dem Berufsvorbereitungsjahr auf dem kaufmännischen Sektor.

1979

10. Dezember - Grundsteinlegung für den Neubau der Kaufmännischen Schulen in der Schwangasse (jetzt: Leopold-Lucas-Straße).

1982

Am 9. August konnte der Unterricht mit einem Teil der Schule in dem neuen, schönen, zweckmäßig eingerichteten und großzügig ausgestatteten Gebäude aufgenommen werden.

Am 20. August wird der I. Bauabschnitt in Anwesenheit des Hessischen Kultusministers Hans Krollmann eingeweiht. Gleichzeitig erfolgt der erste Spatenstich für den II. Bauabschnitt.

1984

Am 15. April konnte für alle Schüler der Kaufmännischen Schulen der Unterricht im neuen Schulgebäude aufgenommen werden.

Einrichtung der Zweijährigen Berufsfachschule für Fremdsprachensekretariat - Abschluss: Staatlich geprüfte(r) Fremdsprachensekretär(in).

1988

Am 31.12.1988 tritt der Schulleiter Herr Oberstudiendirektor Mangold in den Ruhestand. Die Schulleitung wird in Vertretung bis zum 30.11.1993 von Herrn Studiendirketor Fenner übernommen.

1989

Übergabe der Großsporthalle der Kaufmännischen Schulen durch Oberbürgermeister Dr. Drechsler an die Schulgemeinde.

Die Sporthalle kann durch bewegliche Trennvorhänge in vier Übungsfelder unterteilt werden. Jedem dieser Felder sind je zwei Umkleideräume für Schüler und Lehrer, ein Wasch- und Duschraum sowie ein Geräte- und Kleingeräteraum zugeordnet. Ein Außengeräteraum, ein Konditionsraum sowie ein Arzt- und Regieraum komplettieren die Sporthalle, die damit allen Anforderungen, die Sportler an eine moderne Sportanlage stellen, gerecht wird.

1990

Anbahnung einer Schulpartnerschaft mit der Kaufmännischen Berufsschule in Eisenach.

Einrichtung der Zweijährigen Berufsfachschule für Informationsverarbeitung. Abschluss:
Staatlich geprüfte(r) kaufmännische(r) Assistent(in) für Datenverarbeitung.

1993

Der stellvertretende Schulleiter Herr Dipl.-Hdl. Klaus Fenner wird nach einer Interimszeit von fünf Jahren mit Wirkung vom 1. Dezember als Oberstudiendirektor zum Schulleiter befördert.

1994

Mit der Beförderung von Herrn Oberstudienrat Hermann Schorge zum Studiendirektor als stellvertretenden Schulleiter ist die Schulleitung wieder komplettiert.

1996

Mit Beginn des Schuljahres 1996/1997 wird an den Kaufmännischen Schulen Marburg die Fachoberschule mit dem Schwerpunkt Gesundheit eingerichtet. Die Schüler(innen) können in einem Jahr die Fachhochschulreife erwerben. Voraussetzung: Mittlerer Bildungsabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung als Arzt-/Zahnarzthelferin oder Ähnliches.


Chronik von 1997 bis 2006

1997

Die neuen Berufe in der Informations- und Kommunikationstechnik werden seit Sommer 1997 auch in Marburg ausgebildet. Die Kaufmännischen Schulen Marburg, die Adolf-Reichwein-Schule, das Software-Center und das Arbeitsamt haben sich zu einem Verbund zusammen geschlossen, um die Ausbildung in diesen modernen Berufen zu ermöglichen.

1998

An den Kaufmännischen Schulen wird eine neue vollschulische Berufsausbildung – Kaufmännische(r) Assistent(in) mit Schwerpunkt Betriebswirtschaft – als Schulversuch angeboten. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und beinhaltet ein vierwöchiges Praktikum in mittelständischen Betrieben in Marburg und Umgebung.

1999

Nach dreijähriger Vakanzzeit  ist die Schulleitung der KSM wieder komplett. Während Angelika Fresenborg zur Abteilungsleiterin für die IHK-Ausbildungsberufe ernannt wurde übernahm Herr Fey die Ausbildungsberufe im öffentlichen Dienst und Gesundheit.

2000

Ihre diesjährigen Schulmeisterschaften führen die Kaufmännischen Schulen wieder in Verbindung mit dem Bundesjugendschreiben der Deutschen Stenografenjugend durch. An den drei Wettbewerben beteiligen sich in zwei Altersklassen insgesamt über 170 Schülerinnen und Schüler der KSM. Die Höchstleistungen liegen in Kurzschrift bei 60 Silben in der Minute, im Tastschreiben am PC bzw. der Schreibmaschine werden 332 Minutenanschläge und in Textverarbeitung 98 Autorenkorrekturen in 10 Minuten erreicht. Stefanie Hahn – auszubildende Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte – wird wie bereits im Vorjahr zweifache hessische Landessiegerin ihrer Altersklasse.

2001

Nach 35 Jahren pädagogischer Arbeit an den Kaufmännischen Schulen der Universitätsstadt Marburg wird Oberstudiendirektor Klaus Fenner in den Ruhestand verabschiedet.

Mit Beginn des Schuljahres 2001/2002 bildet die Kaufmännische Schule Marburg als hessenweit einzige Schule den neu geschaffenen Beruf Außenhandelskaufrau/-mann aus. Es handelt sich um eine dreijährige Ausbildung im dualen System. Im zweiten Ausbildungsjahr gehen die Schüler bis zu 12 Wochen in ein Auslandspraktikum.

2002

Im Februar wird Siegmar Günther als Leiter der Kaufmännischen Schulen der Universitätsstadt Marburg durch das Hessische Kultusministerium beauftragt.

Ab August werden an den Kaufmännischen Schulen in Marburg erstmals 15 Kaufleute im Gesundheitswesen ausgebildet. Die Ausbildung dauert drei Jahre und setzt den Mittleren Bildungsabschluss voraus.

2003

Im November 2003 veranstaltet die KSM in Zusammenarbeit mit der IHK Kassel zum ersten Mal einen Tag des Außenhandels. Referenten der Ausbildungsbetriebe stellten die Berufsbilder vor und standen für Informationen zur Verfügung. Die Schüler aus den Klassen Außenhandelskaufleute (duales System) und Fremdsprachensekretariat (vollschulisch) berichten über ihre Erfahrungen im Auslandspraktikum. Die Auszubildenden bzw. Schüler haben bis zu 12 Wochen in folgenden Ländern gearbeitet: England, Frankreich, Spanien, Polen, USA und Kanada.

2004

Die IHK Kassel organisiert einen Tag „Minister als Auszubildender“. Wilhelm Dietzel – Hessischer Minister für Umwelt, ländlicher Raum und Verbraucherschutz –  besucht die Firma Braun Melsungen AG und die Kaufmännischen Schulen Marburg, um sich über die Ausbildung der Außenhandelskaufleute zu informieren.

2005

Zu Beginn des neuen Schuljahres wird in einer 11. Klasse des Beruflichen Gymnasium der Kaufmännischen Schulen der Universitätsstadt Marburg eine Laptop-Klasse eingerichtet. Alle Schüler der Notebook-Klasse haben sich freiwillig dazu gemeldet. Eltern, Schulleitung und IT-Experten der Firma Immel Datentechnik  konzipieren zusammen die neue Klasse, in der jeder Schüler mit einem eigenen Notebook arbeitet.

2006

Acht angehende Bankkaufleute der KSM stellen sich der freiwilligen Prüfung und Zertifizierung ihrer Englischkenntnisse. Dieses KMK-Fremdsprachenzertifikat wurde zum ersten Mal an der Schule angeboten und soll die Mobilität und die Chancen auf einen Arbeitsplatz für die Schüler erhöhen.


Chronik ab 2007

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Schulzeitung „KiK“


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