Texas-Schüleraustausch 2002
Wie schon im letzten Jahr fuhren im Frühjahr 2002 wieder 11 Schülerinnen und Schüler der KSM mit Herrn Ghiai nach Texas zu unserer Partnerschule.
Jennifer, eine der Teilnehmerinnen, wird euch in diesem Bericht ihre Erfahrungen und Eindrücke mitteilen und euch hoffentlich dazu anregen, euch für den nächsten Texas-Austausch anzumelden. Für Fragen steht euch Herr Ghiai gern zur Verfügung.
„Am 15. März 2002 war es endlich so weit. Das quälende Zählen der verbleibenden Stunden hatte nun ein Ende. In Frankfurt auf dem Flughafen trafen wir uns und nach einer langen Wartepause stiegen wir in das Flugzeug nach Dallas. Von Dallas flogen wir mit einer kleineren Maschine weiter nach Waco. Dort angelangt wurden wir von unseren Gastfamilien herzlich empfangen. Meine Gastfamilie war sehr nett und ich fühlte mich gleich wohl. Ich bekam viele Geschenke von meiner Gastfamilie. Die erste gemeinsame Unternehmung an dem Wochenende bestand aus Shoppen in der Mall und am Abend Tanzen in der Geneva Hall mit der ganzen Gruppe.
Am Sonntag gingen wir in die Kirche. Zu meinem Erstaunen konnte man dort Donuts essen und Cola trinken, was bei uns ja völlig unüblich ist. Am Nachmittag begann die erste Party mit Dr. Pepper (sehr berühmter Soft-Drink in Texas). Als sich das Wochenende dem Ende zuneigte, sah ich schon voller Aufregung dem ersten Schultag in der Lorena High School entgegen. Ich ging in Begleitung meiner Host zur Schule. Wir fuhren mit den berühmten gelben Bussen, was ich sehr interessant fand, denn man wird vor der Haustür abgeholt und wieder abgeliefert.
Die Schule dort ist ganz anders als bei uns. Seltsam fand ich, dass die gesamte Schule mit Teppichboden ausgelegt war. Ich fühlte mich nicht gerade, als ob ich in einer High School wäre. In Amerika gibt es keine Klassenverbände wie bei uns, sondern Kurse. Sie haben auch nur eine Pause, die lunch break genannt wird.
Ungefähr in einer halben Stunde muss man sich durch eine riesige Schlange quälen, um etwas zu Essen zu bekommen und die lunch break ist eine der wenigen Möglichkeiten, 'mal auf die Toilette zu kommen.
Die Schüler haben nur vier Minuten Zeit den Raum zu wechseln, deswegen müssen sie, wenn der Gong ertönt, gleich den nächsten Unterrichtsraum aufsuchen.
Jeder Lehrer hat sein eigenes Klassenzimmer, deswegen sind manche sehr persönlich eingerichtet und mehrere private Fotos zu finden. Im Unterricht und in den Gängen ist es strikt verboten zu essen und zu trinken. Sogar Medikamente dürfen nicht mitgenommen werden. Sollte irgendetwas sein, ist der Gang zum Schularzt unumgänglich. Der Stundenplan wiederholt sich täglich. Jeden Tag verlaufen die Fächer in der gleichen Reihenfolge.
Der Sport wird in Amerika sehr groß geschrieben. Ich habe kaum jemanden kennen gelernt, der nicht in irgendeiner Weise sportlich aktiv ist. Der American Football wird aktiv unterstützt durch Cheerleader, dies sind Tänzerinnen und Tänzer mit Fahnen. Jeden Tag ist Training von Volleyball, Basketball und allen anderen Sportarten, ausgenommen Football und Cheerleading. Sie trainieren nur in der Saison, die im September/Oktober beginnt. Es ist nicht ungewöhnlich abends spät nach Hause zu kommen, je nachdem, welche Wettkämpfe oder Proben anstehen. So kommt es häufig vor, dass man zu spät ins Bett kommt. Natürlich plagt einen auch die lästige Pflicht Hausaufgaben zu erledigen, welche aber nicht so umfangreich ausfallen wie bei uns.
In der ersten Woche waren wir ausschließlich in der High School. Ein Tag stand Kochen in der Schule auf dem Programm. Auf diese Weise wollten wir uns bei den Gastgebern bedanken und gleichzeitig den Texanern die Möglichkeit bieten Neues kennen zu lernen. Unter anderem bereiteten wir Salate, Frikadellen, Bratkartoffeln, Gemüse und Kaiserschmarren zu. Unsere Speisen wurden von den Texanern mit Begeisterung verzehrt. Es gibt eben doch noch etwas anderes als nur Fast Food. An Ostern blieb es den Familien überlassen, was sie mit uns unternahmen.
Einige fuhren nach San Antonio oder zum Freizeitpark Six Flags. Ich fuhr mit meiner Host zu Six Flags nach Dallas und am nächsten Tag besichtigten wir Dallas. Reunion Tower hieß das Hochhaus in Dallas, wo man mit dem Aufzug auf die Aussichtsplattform fahren konnte. Oben angekommen genossen wir die wunderschöne Aussicht auf die Stadt, außerdem sahen wir das Memorial von John F. Kennedy. Unsere Ausflüge machten wir zur Hauptstadt Austin. Dort besuchten wir das Rob Bullock Texas State History Museum. Dieses Museum war sehr interessant, denn innerhalb kurzer Zeit konnte man einen guten Einblick in die texanische Geschichte gewinnen.
Weitere Ausflüge
Weitere Ausflüge gingen nach Fort Worth und Fredericksburg. Fredericksburg rühmt sich damit, die deutsche Hauptstadt von Texas zu sein. Die Stadt wurde 1846 vom Verein zum Schutze deutscher Auswanderer in Texas gegründet und treibt einen entsprechenden Kult um ihre deutschen Wurzeln. Heute kann man dort sogar deutsche Bratwurst essen und manches ist sogar in Deutsch ausgeschildert.
An einem schönen, sonnigen Tag fuhren wir zu dem Enchanted Rock und erklommen den Gipfel, aber auch die Black Gospel Church blieb vor uns nicht verschont. Es war ein wunderbares und einzigartiges Erlebnis, die gute Stimmung und das Ambiente einmal miterlebt zu haben. Wir besuchten Museen wie Dr. Pepper, wo die Entstehung und die frühere Herstellung von Dr. Pepper dargestellt wurde, und das Texas Ranger Museum.
An einem wunderschönen Samstag besuchten wir die Eltern der Deutschlehrerin in der Lorena High School, Mrs Richter, am Lake Whitney. Die Gegend war dort sehr schön und hügelig.
An einem Morgen besuchten wir das Lokal, in dem George Bush immer aß. Anschließend fuhren wir weiter auf eine Ranch, um dort ein bisschen reiten zu können. Es wurden viele Partys veranstaltet und Freundschaften geschlossen. Von mir aus kann ich wirklich sagen, dass es bisher die schönste Zeit meines Lebens war. Ich persönlich empfehle, selbst auch einmal an diesem Austausch teilzunehmen. Man kann zwar keine zu großen Fortschritte in der Fremdsprache verlangen, dafür sind drei Wochen zu wenig, aber diese Zeit fördert ungemein die ganze Persönlichkeit. Vor allem kann man sich selber beobachten, wie man Fortschritte macht. Außerdem wird das Selbstbewusstsein enorm gestärkt, wenn man merkt, dass man sich gut in einer Sprache artikulieren kann - und zwar auch ohne Wörterbuch!“
Jennifer Schmidt